Schwanger trotz Spirale - Keine Haftung des Gynäkologen

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Ein Gynäkologe, der trotz der gebotenen Untersuchungen eine körperliche Anomalie bei seiner Patientin nicht erkennt, haftet nicht, wenn sie aufgrund der kaum erkennbaren Anomalie trotz Spirale schwanger wird.

Eine Frau ließ sich von einem Frauenarzt eine Spirale zur Verhütung einsetzen. Aufgrund einer körperlichen Anomalie wurde die Frau zwei Jahre später trotzdem schwanger und brachte eine gesunde Tochter zur Welt. Die Frau verlangt nun Schmerzensgeld, den Ersatz von Verdienstausfall sowie Unterhalts- und Betreuungsleistungen bis zur Volljährigkeit ihrer Tochter.

Das Oberlandesgericht Hamm entschied, dass dem Gynäkologen kein Vorwurf zu machen ist, obwohl die Anomalie der Frau dazu führte, dass die Spirale keine verhütende Wirkung entfalten konnte. Für die Anomalie - eine doppelte Anlage von Vagina und Uterus - hat es vorab keine Anzeichen gegeben, der Arzt musste daher auch nicht danach forschen. Er hat alle erforderlichen Untersuchungen vorgenommen und sich insofern keinen Fehler bei der Befunderhebung zuschulden kommen lassen.

Der Arzt haftet auch nicht für die fehlerhafte Diagnose. Er hat sich zwar bei der Diagnose geirrt, diese aber anhand der Befunde erstellt, die nach dem medizinischen Standard zu erheben waren. Ein solcher Irrtum löst aber nur dann eine Haftung aus, wenn die gestellte Diagnose aus der Sicht eines gewissenhaften Arztes medizinisch nicht vertretbar war. Denn Ärzte haften nur für einen Diagnosefehler, nicht für einen bloßen Diagnoseirrtum.

Das ist hier nicht der Fall, da die bestehende Anomalie der Patientin äußerst selten ist und sehr schwer zu erkennen. Auch der Sachverständige hat sie nur nach einer sehr gründlichen Untersuchung bemerkt, bei der er aufgrund der Tatsache, dass die Frau trotz der Spirale schwanger geworden ist, schon Anhaltspunkte für eine solche Anomalie hatte (OLG Hamm, Urteil vom 29.5.2015, 26 U 2/13 ).

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