Pharmakonzern muss Auskunft über Nebenwirkungen erteilen

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Haben Sie ein Medikament eingenommen und kommt es kurz danach zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, muss das Pharmaunternehmen Ihnen über ihm bekannte Verdachtsfälle hinsichtlich möglicher Neben- und Wechselwirkungen des Medikaments Auskunft erteilen.

Bei einer Blutuntersuchung wurde bei einem Mann ein erhöhter Harnsäurewert festgestellt. Daraufhin verschrieb ihm sein Hausarzt ein Medikament, das sehr häufig bei Gichterkrankungen zur Reduzierung der Harnsäure verschrieben wird. Im Beipackzettel wird darauf hingewiesen, dass bei Überempfindlichkeit Abschälungen der Haut sowie Hautveränderungen vorgekommen sind, die Verbrennungen ähneln (Lyell-Syndromoder toxisch epidermale Nekrolyse).

Der Mann führt aus, dass er nach 11-tägiger Einnahme grippeartige Symptome bekam und daraufhin das Medikament absetzte. Trotzdem verschlechterte sich sein Gesundheitszustand aufgrund einer sogenannten toxischen epidermalen Nekrolyse drastisch. Er habe einen Ausschlag am ganzen Körper bekommen und seine Haut habe sich zu 30 % abgelöst. Davon seien auch seine Augen betroffen gewesen. In der Folge seien ihm alle Zähne sowie sämtliche Finger- und Fußnägel ausgefallen. Außerdem habe er eine starke Sehschwäche zurück behalten, weshalb er kein Auto mehr fahren könne. Zur Vorbereitung eines Schadensersatzprozesses verlangte der Mann von dem Pharmakonzern, der das Arzneimittel vertreibt, Auskunft über die ihm bekannt gewordenen (Verdachts-) Fälle mit ähnlichen gesundheitlichen Auswirkungen.

Das Oberlandesgericht Oldenburg verurteilte das Pharmaunternehmen zur Auskunft. Anders als bei einem Schadensersatzprozess musste hier nicht festgestellt werden, dass die schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Mannes auf die Einnahme des Medikaments zurückzuführen sind. Für die Verpflichtung zur Auskunft genügt der zeitliche Zusammenhang, was eine Verursachung der Schäden durch die Einnahme des Arzneimittels plausibel erscheinen lässt (OLG Oldenburg, Urteil vom 23.1.2014, 1 U 55/13 ).

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