Krankenkasse muss Cannabis-Tropfen zahlen

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Eilentscheidung: Für einen chronisch schwer schmerzkranken Patienten muss die Krankenkasse die Kosten einer Cannabis-Therapie übernehmen - jedenfalls bis zur endgültigen Gerichtsentscheidung.

Der Patient leidet an einer extrem schmerzhaften rheumatischen Erkrankung (Morbus Bechterew). Seit über 30 Jahren versucht er, die Schmerzen mit Hilfe der Schulmedizin in den Griff zu bekommen - erfolglos. Daher verfügt der 54-Jährige über eine Ausnahmegenehmigung der Bundesopiumstelle, nach der er Cannabis zu Therapiezwecken erwerben darf.

Seine Krankenkasse verweigert aber die Übernahme der Kosten, da eine Behandlung mit Cannabis keine anerkannte Behandlungsmethode ist. Der Patient macht dagegen geltend, dass lebensbedrohlich Erkrankte nach dem Gesetz die Kostenübernahme für Therapien verlangen können, die für die eigentliche Krankheit zwar nicht zugelassen sind, aber dennoch Linderung oder Heilung in Aussicht stellen.

Nachdem das Sozialgericht Oldenburg die Kostenübernahme zunächst ablehnte, entschied das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen im Eilverfahren zugunsten des Mannes. Zwar ist er nicht lebensbedrohlich erkrankt, aber die extremen Schmerzen können nach Ansicht der Richter in ihrer Auswirkung einer lebensbedrohlichen Erkrankung gleichgestellt werden. Aus diesem Grund muss die Krankenkasse die Behandlung mit Cannabis-Tropfen zumindest vorläufig bezahlen.

Eine endgültige Entscheidung darüber, ob der Mann tatsächlich einen Leistungsanspruch auf die Cannabis-Tropfen hat, steht noch aus. Allerdings sind die medizinischen Einzelheiten im Eilverfahren nicht zu klären und dem Mann ist angesichts seiner extremen Schmerzen nicht zuzumuten, die endgültige Entscheidung hierüber abzuwarten (LSG Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 22.9.2015, L 4 KR 276/15 B ER ).

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