Keine Fehlbehandlung auf Wunsch der Patientin

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Ein Arzt muss eine Behandlung ablehnen, die gegen medizinische Standards verstößt - auch wenn die Patientin ausdrücklich diese Behandlung wünscht. Andernfalls haftet er für den entstehenden Schaden.

Eine 50-jährige Frau wollte von einem Zahnarzt ihre Vorderzähne sanieren lassen. Da sie an einer Störung der Kiefergelenke litt, teilte der Zahnarzt ihr mir, zunächst müsse man die Kiefergelenksstörung therapieren, dann die Seitenzähne stabilisieren, bevor man schließlich ihre Frontzähne sanieren könne. Die Patientin bestand aber weiterhin auf einer sofortigen Sanierung Ihrer Vorderzähne. Der Zahnarzt leistete ihrem Wunsch Folge und unterließ die Behandlung der Kiefergelenksstörung. In der Folge verstärkte sich die Kiefergelenksstörung, Schmerzen stellten sich ein. Die Frau verlangt nun 25.000 € Schmerzensgeld und rund 20.000 € Schadensersatz. Der Zahnarzt führt an, er habe lediglich auf ihren Wunsch hin gehandelt.

Das Oberlandesgericht Hamm gab der Frau Recht. Grundsätzlich steht ihr Schadensersatz und Schmerzensgeld zu. Selbst wenn eine Patientin ausdrücklich eine bestimmte Behandlung verlangt, muss ein Arzt eine Behandlung ablehnen, die gegen medizinische Standards verstößt. Es reicht nicht aus, die Patientin über die möglichen Behandlungsfolgen aufzuklären.

In welcher Höhe die Frau Schadensersatz und Schmerzensgeld erhält wird in einem gesonderten Verfahren entschieden. Jedenfalls muss der Zahnarzt sämtliche gezahlte Behandlungskosten rückerstatten, da die zahnärztliche Behandlung insgesamt unbrauchbar war (OLG Hamm, Urteil vom 26.4.2016, 26 U 116/14 ).

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