Kein Schmerzensgeld wegen kontaminierter Handschuhe

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Eröffnet ein Pfleger bei einer Patientin einen Abszess mit Handschuhen, mit denen er vorher die Türklinke des Patientenzimmers berührt hat, ist das ein Hygienemangel. Ein grober Behandlungsfehler liegt hierin aber nicht. Eine Haftung des Krankenhauses kommt daher nur in Betracht, wenn die Patientin nachweisen kann, dass sie durch die mangelhafte Hygiene zu Schaden gekommen ist.

Die Patientin war wegen Rückenschmerzen im Krankenhaus. Zur Verabreichung von Schmerzmitteln bekam sie eine Infusion. Hierfür wurde ihr auf dem Handrücken ein Zugang (so genannter Venenverweilkatheter) gelegt. Nachdem der Katheter entfernt worden war, zeigte sich eine Entzündung der Vene an der Einstichstelle und es bildete sich ein kleiner Abszess.

Auf Anordnung des behandelnden Arztes eröffnete ein Pfleger den Abszess. Dabei trug er Handschuhe, mit denen er zuvor die Türklinke des Patientenzimmers berührt hatte. Die Patientin bekam Antibiotika und die Venenentzündung heilte aus.

Etwa ein Jahr später musste die Patientin erneut stationär behandelt werden. Dabei zeigte sich eine Infektion der Bandscheiben. Im Blut der Patientin konnte man Bakterien nachweisen. Die Patientin verlangt nun von der Klinik und vom Chefarzt derselben Schadensersatz - unter anderem Schmerzensgeld in Höhe von 25.000 €. Sie ist der Meinung, die Infektion rühre von der Behandlung im Vorjahr mit den kontaminierten Handschuhen her.

Das Oberlandesgericht ist dieser Argumentation nicht gefolgt. Es liegt zwar eindeutig ein Hygienemangel vor, wenn der Pfleger mit kontaminierten Handschuhen eine Behandlung durchführt. Dieser Hygienemangel stellt auch einen Behandlungsfehler dar, da er gegen den medizinischen Standard verstößt.

Allerdings konnte die Patientin nicht beweisen, dass genau dieser Hygienemangel zu der Infektion der Bandscheiben geführt hat. Der medizinische Sachverständige führte aus, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass der ursprüngliche Entzündungsherd ausgeheilt ist, gleichzeitig aber an anderer Stelle eine schwerwiegende Entzündung verursacht haben soll.

Um Schadenersatz zu bekommen, hätte die Patientin aber diesen Nachweis führen müssen. Denn eine Umkehr der Beweislast zugunsten der Patientin kommt nach Ansicht der Richter hier nicht in Betracht. Es handelt sich nämlich um keinen groben Behandlungsfehler.

Mangelnde Hygiene lässt sich in vier Risikogruppen einteilen. Sie wiegt umso schwerer, je höher das Infektionsrisiko und je gravierender die Folgen einer möglichen Infektion seien. Im vorliegenden Fall bestand eine sehr geringe Infektionsgefahr. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass bei ausströmendem Eiter gleichzeitig etwas in die Wunde gelangt.

Außerdem sind die Handschuhe von vornherein nicht steril, sondern nur bakterienarm gewesen. Daher ist das Risiko gravierender Folgen durch das Berühren der Türklinke als sehr gering einzustufen und der Hygienemangel kein grober Verstoß gegen medizinische Standards (OLG Hamm, Urteil vom 17.8.2015, 3 U 28/15 ).

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