Hohes Schmerzensgeld für nicht erkannten Hautkrebs

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Erkennt ein Arzt bei seiner Patientin Hautkrebs nicht rechtzeitig, kann ihm der tödliche Verlauf der Krankheit zuzurechnen sein. Voraussetzung ist allerdings ein grober Behandlungsfehler seitens des Arztes. Dann ist auch ein Schmerzendgeld in Höhe von 100.000 € gerechtfertigt.

Die damals 45-jährige Patientin wurde im August 2009 bei einem Hautarzt wegen eines verfärbten Zehennagels vorstellig. Sie gab an, sich den Zeh angestoßen zu haben. Der Hautarzt ging zunächst von einem Hämatom unter dem Zehennagel aus. Die Patientin sollte daher eine Nagelprobe einreichen, die histologisch untersucht wurde. Im Labor fand man nur eine bakterielle Infektion, was man der Patientin telefonisch mitteilte. Eine weitere Behandlung fand nicht statt.

Als sich die Verfärbung auch im folgenden Jahr nicht zurückbildete, suchte die Patientin wieder einen Hautarzt auf. Dieser stellte die Diagnose Hautkrebs. Auch Lunge und Lymphknoten waren von Metastasen befallen. Die Patientin erlag im Dezember 2013 ihrem Krebsleiden. Ihr Mann führt den von ihr noch begonnenen Rechtsstreit fort und verlangt wegen ärztlicher Behandlungsfehler Schadensersatz, vor allem Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 € .

Das Oberlandesgericht Hamm entschied zugunsten des Ehemannes. Der Arzt, der die Patientin im Jahre 2009 behandelte, hätte die Ursache der Verfärbung genauer untersuchen müssen. Denn allein die Tatsache, dass die Patientin angab, sie habe sich gestoßen, entband den Arzt nicht davon, eine umfassende Diagnostik durchzuführen.

Insbesondere, da eine Hautkrebserkrankung unweigerlich tödlich verläuft, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird, hätte der Arzt eine solche ausschließen müssen. Die durchgeführte histologische Untersuchung war hierzu nicht geeignet. Denn der Arzt überließ die Entnahme der Nagelprobe, die dann untersucht wurde, der Patientin. So legte nicht der Arzt, sondern seine Patientin den Ort der Entnahme fest. So wurde das zu diesem Zeitpunkt schon bestehende Melanom nicht erkannt. Dabei hätte eine Amputation des Zehengliedes in einem früheren Stadium die Patientin möglicherweise retten können. Also muss sich der Arzt ihren Tod zurechnen lassen (OLG Hamm, Urteil vom 27.10.2015, 26 U 63/15 ).

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