Haftung des Apothekers für Abgabe eines falsch dosierten Medikaments

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Apotheker müssen bei der Medikamentenabgabe das Rezept sorgfältig prüfen. Sonst haften sie unter Umständen auch für einen Verschreibungsfehler des Arztes. Bei grob fehlerhafter Medikamentenabgabe müssen sie nachweisen, dass der Schaden nicht auf die Fehlmedikation zurückzuführen ist.

Ein kleiner Junge kam mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) und einem Herzfehler zur Welt. Mit drei Monaten sollte er am Herzen operiert werden. Für die Zeit bis zu der Operation wurde ihm ein herzstärkendes Medikament verschrieben. Der Arzt stellte das Rezept versehentlich mit einer 8-fach überhöhten Dosierung aus.

Der Apotheker verkaufte das Medikament entsprechend dem Rezept. Ein paar Tage nach Beginn der Einnahme des Medikaments erlitt der Säugling einen Herzstillstand und musste 50 Minuten reanimiert werden. Er erlitt einen Hirnschaden und eine Darmschädigung. Mit fünf Jahren war der Junge in seiner Entwicklung weit zurück. So konnte er weder sprechen, laufen noch selbständig essen. Die Eltern fordern von dem Arzt und dem Apotheker Schadensersatz.

Das Oberlandesgericht Köln gab den Eltern Recht. Arzt und Apotheker müssen dem Kind Schadensersatz und Schmerzensgeld zahlen. Auch wenn bis heute nicht geklärt ist, ob die Entwicklungsverzögerungen bei dem Jungen auf das Down-Syndrom oder die Hirnschädigungen infolge des Herzstillstands zurückgehen, haften beide für die Schädigungen bei dem Jungen.

Denn auch für Apotheker gelten dieselben Grundsätze wie für Ärzte: Da hier ein grober Behandlungsfehler des Arztes vorliegt, haftet dieser, sofern er nicht nachweisen kann, dass der Fehler nicht die Ursache der Schädigungen war. Der Apotheker hätte den Verschreibungsfehler erkennen müssen. Gerade ein Rezept über ein hochwirksames und damit auch gefährliches Herzmedikament hätte er äußerst genau überprüfen müssen. Angesichts des Alters des Säuglings war die Überdosierung offensichtlich. Die Abgabe des falsch dosierten Medikaments war also ein großer Fehler seitens des Apothekers.

Damit hätten der Arzt und der Apotheker beweisen müssen, dass die stark verzögerte Entwicklung des Kindes nicht auf die Überdosierung sondern auf das angeborene Down-Syndrom zurückzuführen ist. Das konnten sie aber nicht nachweisen, weshalb sie für den Schadensersatz aufkommen müssen (OLG Köln, Urteil vom 7.8.2013, 5 U 92/12 ).

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