Augeninnendruck nicht gemessen - 80.000 € Schmerzensgeld

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Führt ein Augenarzt eine medizinisch erforderliche Maßnahme nicht durch und kommt es in der Folge zu einer drastischen Verschlechterung der Sehleistung, liegt ein grober Behandlungsfehler vor, der eine hohe Schmerzensgeldforderung rechtfertigen kann.

Ein 11-jähriges Mädchen, deren Sehleistung sich stetig verschlechterte, suchte deswegen über einen Zeitraum von sechs Monaten mehrfach ihre Augenärztin auf. Diese konnte keine Ursache für den Verlust der Sehkraft finden. Obwohl das Mädchen an Diabetes litt, was ein deutlich erhöhtes Risiko mit sich bringt, an einem Grünen Star (Glaukom) zu erkranken, veranlasste die Augenärztin keine Messung des Augeninnendrucks. Schließlich erfolgte die notfallmäßige Aufnahme in die städtische Augenklinik, wo ein fortgeschrittener Grüner Star diagnostiziert wurde. Das Mädchen musste an beiden Augen operiert werden, was aber nicht mehr verhindern konnte, dass sie einen wesentlichen Teil ihrer Sehkraft verlor. Zunächst verlangte die heute 19-Jährige 45.000 € Schmerzensgeld, hat diesen Betrag aber auf 80.000 € erhöht, als sie erfuhr, dass sie später erblinden könne.

Das Oberlandesgericht hat dem Mädchen die vollen 80.000 € Schmerzensgeld zugesprochen. Die Augenärztin hätte im Laufe der Behandlung eine Augeninnendrucks- und Gesichtsfeldmessung durchführen müssen, um die Ursache für die sich immer weiter verschlechternde Sehkraft zu finden.

Dieses Versäumnis stellt einen groben Behandlungsfehler dar. Denn wenn man das Mädchen früher medikamentös behandelt und in eine Augenklinik überwiesen hätte, hätte möglicherweise ein weitaus größerer Teil ihrer Sehfähigkeit erhalten werden können.

Die hohe Summe an Schmerzensgeld rührt daher, dass die verspätete Behandlung schwerwiegende Folgen für die heute junge Frau hat. Sie kann kein adäquates Leben führen. So kann sie kaum an sportlichen Aktivitäten teilnehmen, kein Auto fahren, ist in ihrer Berufswahl durch die schwache Sehkraft stark eingeschränkt und benötigt einen speziell auf ihre Sehbehinderung eingerichteten Arbeitsplatz (OLG Hamm, Urteil vom 10.5.2016, 26 U 107/15 ).

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