20.000 € Schmerzensgeld für dauerhaften Haarverlust

 - 

Wird eine Krebspatientin nicht über das Risiko aufgeklärt, dass sie durch die Chemotherapie dauerhaft ihre Haare verlieren kann, hat sie Anrecht auf Schmerzensgeld.

Die Patientin hatte sich wegen Brustkrebs einer Operation unterzogen. Anschließend erhielt sie eine Chemotherapie mit einem hochwirksamen Medikament, das zum damaligen Zeitpunkt noch nicht lange auf dem Markt war. Nach der Behandlung wurde festgestellt, dass ihre Körperbehaarung, Wimpern und Augenbrauen nicht nachwachsen würden. Auch das Kopfhaar ist in weiten Teilen dauerhaft verloren. Das Landgericht lehnte einen Schmerzensgeldanspruch ab. Zum Behandlungszeitpunkt hätte es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass ein dauerhafter Haarverlust drohte.

Das Oberlandesgericht Köln sieht das anders. Nach Auffassung des Gerichts war aufgrund damals bereits vorliegender Herstellerinformationen in Fachkreisen bekannt, dass bei diesem Medikament die Gefahr besteht, seine Haare dauerhaft zu verlieren.

Nach einer Studie über 55 Monate verloren 3,2 % der behandelten Patientinnen dauerhaft ihre Haare. Auch wenn somit der dauerhafte Haarverlust eher selten eintritt, hätte die Patientin über dieses Risiko aufgeklärt werden müssen. Denn die Patientin muss vor einer Behandlung "im Großen und Ganzen" wissen, worauf sie sich einlässt. Gerade eine Komplikation, die die Patientin in der Regel sehr schwer belastet, kann daher bei der Entscheidung für oder wider eine bestimmte Behandlung tatsächlich eine Rolle spielen.

Genauso war es auch hier. Nach einer ausführlichen Befragung kam das Gericht zu dem Schluss, dass die Patientin tatsächlich nicht weiß, wie sie sich bei umfassender Aufklärung entschieden hätte. Es ist also keineswegs sicher, dass sich die Patientin für das Medikament entschieden hätte. Möglicherweise hätte sie sich angesichts des konkreten, wenn auch seltenen Risikos eines dauerhaften Haarverlustes gegen eine Behandlung mit diesem Medikament entschieden.

Die Höhe des Schmerzensgeldes berücksichtigt, dass die Patientin bereits unter erheblichen nachhaltigen psychischen Folgen und seelischen Belastungen leidet (OLG Köln, Urteil vom 21.3.2016, 5 U 76/14 ).

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.