Schadensersatz, wenn der Telefonanschluss verspätet umgestellt wird

Muss ein Kunde einer Telefongesellschaft nach einem Umzug längere Zeit auf die Freischaltung seines Festnetzanschlusses warten, steht ihm Schadensersatz zu.

Der Inhaber einer Versicherungsagentur verlegte sein Büro innerhalb von Berlin. Bei seinem Telefonanbieter beantragte er rechtzeitig per Fax am 10.2.2003 die Änderung seines geschäftlichen und privaten Telefonanschlusses wegen Umzugs. Im Formular gab er auf die Frage nach der Lage des Telefonanschlusses "Souterrain" an. Erst 25 Tage später erkundigte sich die Telefongesellschaft nach der "eindeutigen Lage" des Anschlusses. Dieses Mal antwortete der Anschlussinhaber mit "Einfamilienhaus/Keller". Weitere 17 Tage später teilte die Telefongesellschaft mit, der Anschluss werde am 8.4.2003 umgestellt.

Die lange Wartezeit bescherte dem Versicherungsagenten Umsatz- und Gewinneinbußen in Höhe von rund 14.000 Euro. Diesen Schaden machte er gegenüber der Telefongesellschaft geltend. Diese verwies auf ihre AGB und wandte ein, ihr sei die Umschaltung erst nach Angabe der exakten Lage des Anschlusses und damit nach der Beantwortung ihrer Anfrage vom 7.3.2003 möglich gewesen.

Das Landgericht Frankfurt/Main sprach dem Mann den Ersatz des Umsatzausfalls zu. Der Telefonanbieter hat seine vertraglichen Pflichten verletzt. Dazu zählt auch der Umzugsservice. Danach ist ein Telefonanschluss schnellstmöglich, mindestens jedoch innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens auszuführen. Der Bearbeitungszeitraum für die Umstellung des Telefonanschlusses dauerte hier jedoch sieben Wochen und damit zu lange.

Die Verzögerung hat ausschließlich der Anbieter zu vertreten. Der Anschlussinhaber hat alle notwendigen Adress- und sonstigen Angaben rechtzeitig und richtig mitgeteilt. Der Begriff "Souterrain" ist zutreffend. Die Bedeutung kann im Duden nachgelesen werden. Mit der späteren Angabe "Keller" hat der Mann keine andere Information gegeben als zuvor.

Es ist unverständlich, warum die Telefongesellschaft erst 25,  dann nochmals 17 Tage benötigte, um einfachste Rückfragen zu stellen oder die erhaltenen Informationen zu bearbeiten. Dies obwohl ihr bekannt war, dass es sich um einen vom Kläger geschäftlich genutzten Anschluss handelte (LG Frankfurt/Main, Urteil vom 11. 6. 2008, Az. 3-13 O 61/06, K&R 2008 S. 549).

Rechtstipp
In der Praxis ist es mitunter schwierig sein, einen konkreten Schaden nachzuweisen. Bewahren Sie deshalb alle Unterlagen auf, um den Schaden während der "anschlusslosen Zeit" beziffern zu können (z. B. Quittungen, Korrespondenz). Auf einen parallel bestehenden Handyanschluss kann man Sie nicht verweisen. Dies ist kein tauglicher Ersatz für einen Festnetzanschluss. Das gilt insbesondere, wenn Sie auf einen reibungslosen Fax-Verkehr und Internetzugang angewiesen sind (z. B. um den Bedürfnissen Ihrer Kunden gerecht zu werden, wie Rückfragen oder Terminvereinbarungen). 

Weitere Informationen zum Umgang mit Telefon- und Internetprovidern finden Sie in den Rechtstipps in der Gruppe 3.
 

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