Paketabgabe beim Nachbarn lässt Widerrufsfrist nicht beginnen

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Ist der Empfänger einer Lieferung nicht erreichbar, gibt der Paketbote die bestellte Ware häufig beim Nachbarn ab. Solange das Paket bei diesem liegt, gilt es nicht als zugestellt. Folge: Die Widerrufsfrist beginnt erst mit der Übergabe an den tatsächlichen Empfänger.

Ein Kunde hatte eine Online-Bestellung aufgegeben und war dann in Urlaub gefahren. Das Paket wurde deshalb bei einem Nachbarn abgegeben. Als der Mann eine Woche später aus dem Urlaub zurückkehrte, erhielt er das Paket. Eine gute weitere Woche später, wollte er die Ware zurückgeben. Doch der Versandhändler verweigerte die Rücknahme. Die 14-tägige Widerrufsfrist sei bereits abgelaufen. Diese beginne mit der Abgabe des Pakets an den Nachbarn.

Das Amtsgericht Winsen sprang dem Kunden zur Seite. Die Widerrufsfrist war noch nicht abgelaufen. Nimmt ein freundlicher Nachbar eine Sendung gefälligkeitshalber an, beginnt die Widerrufsfrist erst mit der Übergabe des Pakets an den tatsächlichen Empfänger. Vorher hat dieser gar keine Möglichkeit, den Inhalt der Sendung zu prüfen. Doch das Prüfungsrecht ist gerade Sinn und Zweck des Widerrufsrechts.

Anders, wenn die Ware an einen Nachbarn abgegeben wird, der zur Entgegennahme ausdrücklich bevollmächtigt worden ist. Dann gilt die Ware als zugestellt (§ 171 ZPO). In diesem Fall muss der Nachbar aber eine schriftliche Vollmacht vorlegen können. Dies war hier nicht der Fall (AG Winsen a. Luhe, Urteil vom 28.6.2012, 22 C 1812/11 ).

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