eBay: Dürfen Sie an einer eigenen Auktion mitbieten?

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Wer als eBay-Verkäufer über einen Fake-Account an seiner eigenen Auktion mitbietet und Angebote vortäuscht, um den Preis in die Höhe zu treiben, macht sich grundsätzlich schadensersatzpflichtig.

Ein Verkäufer wollte seinen gebrauchten VW Golf über eBay verkaufen. Er stellte das Kfz mit einem Startpreis von 1,00 € zum Verkauf ein. Damit die Aktion sich für ihn auszahlte, gab er von einem Zweitprofil mehrere Scheinangebote auf sein eigenes Angebot ab. Die Angebote platzierte er unter anonymen Abkürzungen, um den Preis in die Höhe zu treiben.

Als ein Kaufinteressent von der Preisschaukelei erfuhr, verlangte er zunächst die Herausgabe des Fahrzeugs zum Preis von 1,50 €, was seinem erstmaligen Gebot entsprach. Die Herausgabe war aber nicht mehr möglich, weil der VW Golf zwischenzeitlich den Eigentümer gewechselt hatte. So verlangte der leer ausgegangene Kaufinteressent stattdessen Schadensersatz in Höhe von 16.500,00 €. Der Wert des Wagens war durch ein Gutachten ermittelt worden.

Das Oberlandesgericht Stuttgart stellte fest, der eBay-Verkäufer hat durch die Abgabe von Scheingeboten auf seine eigene Auktion über ein weiteres Nutzerkonto vorvertragliche Pflichten verletzt. Ein solches betrügerisches Vorgehen verstößt gegen die AGB von eBay.

Er macht sich dem Kaufinteressenten gegenüber schadensersatzpflichtig, wenn diesem durch die Preisschaukelei ein Schaden entstanden ist. Der eBay-Verkäufer muss dann den Schaden ersetzen, der in der Differenz des Verkehrswertes zum (fiktiven) Kaufpreis des Artikels besteht.

Hier hatte der Anbieter Glück, denn dem Kaufinteressenten ist kein Schaden entstanden. Der Wert des angebotenen Kfz lag unterhalb des fiktiven Kaufpreises in Höhe von 17.000,00 €. Dieser Betrag entsprach nachweislich dem letzten Angebots des Kaufinteressenten. Er wäre offensichtlich bereit gewesen, das Fahrzeug zu diesem Preis zu erwerben (OLG Stuttgart, Urteil vom 14.4.2015, 12 U 153/14; n. rk. ).

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