Missglücktes Tattoo darf zunächst nachgebessert werden

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Wenn das Tattoo misslingt, kann der unzufriedene Kunde nicht gleich Schadensersatz verlangen. Denn der Arbeit liegt ein Werkvertrag zugrunde. Folge: Der Tätowierer darf nachbessern, selbst wenn dies schmerzhaft ist.

Eine 17-Jährige hatte sich für 50,00 € ein koptisches Kreuz auf die Innenseite ihres Handgelenks tätowieren lassen. Das Geld dafür hatte sie aus einem Job in der Eisdiele. Dort verdiente sie monatlich 200,00 €. Die Eltern der Jugendlichen wussten nicht, dass sie sich ein Tattoo stechen lassen wollte.

Nach etwa einer Woche reklamierte sie die Arbeit. Das Kreuz sei schief, der Inhaber des Tattoo-Studios solle die Tätowierung deshalb kostenlos mit einem Laser entfernen. Der Betreiber lehnte dies ab, bot ihr aber an, das Tattoo nachzubessern.

Das wiederum lehnte die Kundin ab und verlangte - inzwischen volljährig geworden - schließlich im Wege der Klage 50,00 € zurück und obendrein 799,00 € Euro für eine Laserbehandlung.

Das Amtsgericht München wies ihre Klage jedoch ab. Es gibt weder Geld zurück noch muss die Laserbehandlung bezahlt werden noch bekommt die Kundin Schmerzensgeld.

Der Tätowiervertrag war wirksam geschlossen. Im Zeitpunkt des Vertragsschlusses war die Kundin zwar minderjährig. Doch sie konnte den Vertrag mit eigenen Mitteln erfüllen. Da sie über monatliche Einkünfte in Höhe von 200,00 € verfügte, konnte sie den Preis von 50,00 € für das Tattoo bezahlen. Somit brauchten die Eltern den Vertrag nicht nachträglich genehmigen.

Geht beim Tätowieren etwas schief, muss dem Betreiber des Studios zunächst die Möglichkeit eingeräumt werden, seine Arbeit nachzubessern. Denn beim Tätowiervertrag handelt es sich um einen Werkvertrag. Dem steht nicht entgegen, dass die Nachbesserung einen neuerlichen und schmerzhaften Eingriff in den Körper verlangt. Erst danach kann die Frau gegebenenfalls Minderung oder Schadensersatz verlangen.

Schmerzensgeld hingegen gibt es nicht. Denn die Kundin hat freiwillig in den Eingriff eingewilligt, als sie sich entschloss, ein Tattoo stechen zu lassen. Das gilt somit auch für die etwaige Nachbesserung (AG München, Urteil vom 17.3.2012, 213 C 917/11 ).

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