Mängel im Gastronomie-Service berechtigen ausnahmsweise zur Minderung

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Wer seine Hochzeit in einem Restaurant feiert und dort auf mangelhaften Service trifft, dem steht ausnahmsweise statt eines Kündigungsrechts ein Minderungsanspruch zu. Denn mit einer größeren Hochzeitsgesellschaft ist es in der Regel nicht möglich, in ein anderes Lokal auszuweichen.

Anlässlich seiner Hochzeitsfeier am 26.7.2014 schloss das Brautpaar mit einem Gastwirt einen Vertrag. Bestellt wurde für die Feier Essen und Trinken für 170 Erwachsene (zu einem Preis von 42,00 € pro Person) und ein spezielles Kinderessen für 26 Kinder (pro Kind 15,00 €) zu einem Gesamtpreis von 7.530,00 €.

Die Gastgeber bezahlten jedoch nur 3.000,00 €. Zum einen hätten nur 150 Gäste teilgenommen, zum anderen reklamierte er eine lange Liste an Mängeln: Es seien nur zwei Personen im Service eingesetzt gewesen, sodass die Gäste beim Servieren hätten helfen müssen. Allein das Servieren der Suppe habe 90 Minuten gedauert, das servierte Fleisch sei von schlechter Qualität gewesen und das bestellte Kindergericht sei gar nicht serviert worden. Der Gastwirt klagte auf den Restbetrag in Höhe von 4.530,00 €.

Das Amtsgericht München entschied, das Brautpaar war berechtigt, den Preis für die Hochzeitsfeier zu mindern. Es muss allerdings noch einen Betrag von 1.939,00 € bezahlen.

Rechtlich ist es hier unerheblich, dass an der Hochzeit weniger Personen teilgenommen haben. Es war eine Pauschale vereinbart. Der Gastwirt musste sich auf die ursprünglich angegebene Personenzahl vorbereiten und entsprechend Essen und Getränke bereitstellen.

Allerdings kann er nicht den vollen Betrag verlangen, denn die Bewirtung war im Hinblick auf die Qualität der Speisen und die Wartezeiten im Service mangelhaft. Zwei Kellner für die Bewirtung der angekündigten Gästezahl sind zu wenig, um einen ordnungsgemäßen und zügigen Ablauf von der Bestellung bis zum Servieren des Menüs zu gewährleisten.

In diesem Fall hat der Gast grundsätzlich keinen Anspruch auf Minderung des vereinbarten Preises. Vielmehr wird ihm ein Kündigungsrecht eingeräumt, zudem kann er Schadensersatz verlangen.

Ausnahmsweise berechtigt die mangelhafte Gastronomie-Dienstleistung aber zur Herabsetzung des Preises – und zwar, wenn das Ausweichen in ein anderes Lokal unmöglich ist. Hier konnte das Brautpaar – als während der Feier die Mängel offenkundig wurden – mit der 150-köpfigen Hochzeitsgesellschaft nicht einfach in ein anderes Lokal wechseln.

Für den mangelhaften Service darf der Restaurantgast 30 % in Abzug bringen; für die mangelhaften Speisen (z.B. schlechte Fleisch-Qualität) wird ebenfalls ein Abzug gemacht (hier: 3 % vom vereinbarten Preis pro Erwachsenen, nur 9,00 € für jedes Kind; AG München, Urteil vom 12.1.2016, 159 C 601/15 ).

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