Vorsicht beim Online-Banking: Wer Warnungen ignoriert wird schadensersatzpflichtig!

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Bei einem Pharming-Angriff im Internet macht ein Bankkunde sich schadensersatzpflichtig, wenn er trotz Warnungen der Bank mehrfach TANs in betrügerische Websites eingibt und daraufhin Überweisungen getätigt werden. Das hat aktuell der Bundesgerichtshof entschieden.

Im entschiedenen Fall hat der Kläger bei der beklagten Bank ein Girokonto und nimmt auch am Online-Banking teil. Dazu nutzt die Bank das sogenannte iTan-Verfahren. Um eine Überweisung tätigen zu können, muss der Kunde seine PIN (persönliche Identifikationsnummer) und eine TAN (Transaktionsnummer) eingeben. Die TAN-Liste bekommt der Kunde vorher zur Verfügung gestellt.

Am 26.1.2009 wurde vom Bankkonto des Klägers auf das Konto einer griechischen Bank nach korrekter Eingabe von PIN und TAN 5.000 € überwiesen. Der Kläger bestreitet diese Überweisung veranlasst zu haben.

Der Kläger führte zum Sachverhalt aus, dass er sich daran erinnere, wie er im Oktober 2008 auf seine Online-Banking-Seite wollte. Der Zugriff wurde ihm jedoch verweigert mit dem Hinweis, dass er zunächst zehn TAN-Nummern eingeben müsse. Das habe er auch getan. Danach konnte er wie gewohnt seine Überweisung online durchführen.

Nun machte der Kläger einen Anspruch gegen die beklagte Bank auf Rückzahlung der 5.000 € geltend.

Der Bundesgerichtshof wies die Klage als unbegründet zurück. Zum einen könne der Kläger nicht beweisen, dass er die Überweisung tatsächlich nicht veranlasst habe. Zum anderen bestehe jedenfalls ein Schadensersatzanspruch der Bank gegen den Kunden in Höhe von 5.000 €, da der Kunde die Überweisung fahrlässig mitverschuldet habe. Er habe auf einer betrügerischen Internetseite seine TAN zehn Mal eingegeben und sei somit Opfer eines sogenannten Pharming-Angriffs geworden.

Mit Pharming bezeichnet man eine bestimmte Betrugsmethode im Internet. Dabei werden Webbrowser so manipuliert, dass die Nutzer auf gefälschte Internetseiten, nämlich auf Internetseiten des Betrügers (=Pharmer), umgelenkt werden. Diese Internetseite wirkt für den Nutzer täuschend echt, sodass er hier seine persönlichen Daten fälschlicherweise eingibt. So erhält der Pharmer Zugriff auf die Daten und kann sie zu kriminellen Zwecken nutzen. Im vorliegenden Fall hatte die Bank zuvor jedoch auf ihrer Homepage vor solchen betrügerischen Seiten gewarnt und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Bank selbst niemals zur Eingabe von mehreren TAN-Nummern auffordern würde.

Ein Mitverschulden der Bank hat der BGH als nicht gegeben angesehen. Zum einen habe die Bank mit dem iTAN-Verfahren ein relativ sicheres Online-Banking-System zur Verfügung gestellt. Zum anderen habe sie keine Aufklärungs- und Warnpflichten verletzt. Die Bank hat ihren Schadensersatzanspruch mit dem Rückzahlungsanspruch des Klägers aufgerechnet.

Fazit: Der BGH hat mit diesem Urteil die Rechte der Banken gestärkt. Den Bankkunden werden die Pflichten aufgebürdet, die sich in einem Wort zusammenfassen lassen: Aufpassen! Die Bank kann nicht bei jedem betrügerischen Angriff im Online-Banking haftbar gemacht werden. Als Bankkunde müssen Sie beim Online-Banking also hellwach sein. Mit der Preisgabe von persönlichen Daten, PINs und TANs müssen Sie extrem vorsichtig umgehen. Ganz wichtig: Pro Vorgang ist in der Regel nur eine TAN erforderlich. Wenn Sie mehrmals zum Eingeben der TAN aufgefordert werden, brechen Sie den Vorgang sicherheitshalber sofort ab!

Übrigens: Der Betrüger konnte bis heute nicht ausfindig gemacht werde (BGH, Urteil vom 24.4.2012, Az. XI ZR 96/11).

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